작품 상세

HORST STREMPEL (1904 Beuthen - 1975 West-Berlin) Zwei Mädchen vor rotem Vorhang, 1958 Öl auf Leinwand. 105 x 77 cm. Gerahmt. Rechts unten signiert. Rückseitig erneut signiert und betitelt. Im linken oberen Bereich drei kleine Farbabplatzungen (zwei je ca. 1 × 0,3 cm, eine ca. 3,5 × 0,4 cm). Im linken unteren Bereich eine Farbabplatzung (ca. 4 × 2 cm). Provenienz: Privatsammlung Hessen Horst Strempel zählt zu den markanten deutschen Malern und Grafikern der Zwischenkriegs- und Nachkriegszeit mit stark politisch-sozialer Ausrichtung. Er begann 1918 eine Lehre als Dekorationsmaler und studierte von 1921/22 bis 1929 an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau (u. a. bei Otto Mueller und Oskar Moll) sowie ab 1927 in Berlin bei Karl Hofer an der Hochschule für Bildende Künste. Als überzeugter Kommunist und Antifaschist engagierte er sich in der Weimarer Republik in linken Künstlerkreisen. 1933 emigrierte er nach Paris, wurde 1940 interniert und kehrte nach Kriegsende nach Deutschland zurück. Seine bekanntesten Werke entstanden in den 1940er/50er Jahren: das monumentale Triptychon „Nacht über Deutschland“ (1945-46, Neue Nationalgalerie Berlin) - eine eindringliche Anklage gegen NS-Terror, Krieg und Holocaust mit expressionistischer Wucht - sowie Bilder wie „Pogrom“, „Kriegsheimkehrer“ und sozialkritische Kompositionen. Strempel schuf expressive Ölgemälde, Grafiken und Zeichnungen mit kraftvoller Figuration, dunkler Palette und direkter gesellschaftlicher Botschaft. Nach 1945 lebte er in West-Berlin und blieb politisch aktiv. Heute gelten seine Werke als eindringliche Zeugnisse antifaschistischer Kunst und des deutschen Expressionismus nach 1945. Im Zentrum stehen zwei junge Frauen, eng aneinandergeschmiegt. Die vordere Figur im blauen Kleid mit kreisförmigem Muster neigt den Kopf leicht zur Seite, die Augen geschlossen, die Arme schützend vor die Brust gelegt. Hinter ihr steht die zweite, in ein grünes Kleid gekleidet, das Gesicht dem Profil der Vorderen zugewandt. Die Körper berühren sich, die Gesten sind zurückhaltend und zugleich innig. Es ist keine dramatische Szene, sondern eine leise, konzentrierte Begegnung. Der leuchtend rote Vorhang bildet einen kraftvollen Hintergrund und rahmt die Figuren wie auf einer Bühne. Das Rot kontrastiert mit den kühlen Blau- und Grüntönen der Kleider und steigert die Spannung zwischen Nähe und Distanz, zwischen Innerlichkeit und äußerer Präsenz. Links öffnet sich der Raum in ein angedeutetes Interieur mit Vase und Blumen - ein stilles Motiv, das dem Bild zusätzliche Tiefe verleiht, ohne die Konzentration auf die beiden Figuren zu stören. Formal zeigt sich hier Strempels typische Vereinfachung der Formen. Die Gesichter sind klar modelliert, die Hände auffallend lang und expressiv. Die Figuren wirken plastisch geschlossen, beinahe monumental, trotz des intimen Formats. Die Komposition ist streng aufgebaut, vertikale Linien strukturieren den Raum, während die geschwungenen Konturen der Körper einen weichen Gegenpol setzen. Entstanden 1958, in einer Phase biografischer und künstlerischer Neuorientierung, spiegelt das Gemälde Strempels Hinwendung zu einer ruhigeren, stärker symbolisch aufgeladenen Bildsprache. Anstelle politischer Direktheit tritt hier eine existenzielle Dimension: Nähe, Schutz, Zuwendung - aber auch eine gewisse Melancholie. In seiner klaren Farbdramaturgie, der reduzierten Formensprache und der psychologischen Verdichtung zählt dieses Werk zu den bedeutenden figurativen Arbeiten Strempels aus den späten 1950er Jahren.