작품 상세

Mädchen vor dem Hutladen Aquarell und Pinsel in Schwarz über Bleistift auf chamoisfarbenem Velin. 1912/13. 28,8 x 22,8 cm. Verso mit dem roten Nachlaßstempel (Lugt 1775b), dort mit der handschriftlichen Registriernummer "4" und wohl von Elisabeth Erdmann-Macke betitelt. Heiderich Aquarelle 340, Vriesen A 142. Skizzenhafte, zart aquarellierte Vorstudie zu Mackes bedeutendem Werkkomplex der "Schaufensterbilder". In formaler Hinsicht ebenso wie im Aspekt der Farbverteilung verweist die Zeichnung zudem auf zwei Gemälde Mackes von 1913, in denen er das Thema der Dreiergruppe in einem anderen Zusammenhang ebenfalls aufnimmt (Vriesen 366 und 367, Heiderich 473 und 474). Das in Mackes Werk häufig anzutreffende Sujet der Frauen vor einem Schaufenster setzt der Künstler in der hier vorliegenden Studie in kompositorisch erweiterter Form um, indem er stärker als sonst einen Schwerpunkt auf die Figuren legt, anstatt wie zuvor die Attraktion des Schaufensters zu betonen. Die reizvolle, ausgewogen komponierte Zeichnung zeigt in klaren, festen und dynamischen Formen die fein aquarellierte Figurengruppe der drei jungen Mädchen vor dem mit kraftvollen Kontrasten in Schwarz und Weiß akzentuierten Fenster. Die drei Gestalten sind eingebunden in die spannungsvolle Gesamtstruktur ihrer Umgebung. Positiv- und Negativformen stehen nebeneinander, Linie und Fläche sind in schwingender Bewegtheit fein gegeneinander ausbalanciert. Eckig zugespitzte, kristalline Flächen und flache Kurven grenzen sich mit ihren scharfkantigen Konturen in kraftvollem Hell-Dunkel klar voneinander ab und reflektieren Mackes Rezeption kubistischer Formgebung. Künstlerisch und auch kulturorganisatorisch stellen die Jahre 1912/13 sicherlich einen Höhepunkt im Schaffen Mackes dar, u. a. mit Ausstellungen des "Blauen Reiter" in München bei Thannhauser, in Köln, Hagen, Frankfurt und in der Berliner Galerie "Der Sturm", mit "Sonderbund"-Ausstellungen und dem Ersten Deutschen Herbstsalon. 1912 hatte Macke sowohl Bekanntschaft mit Delaunay in Paris geschlossen, die französischen Kubisten und vor allem Picasso beim "Sonderbund" gesehen, als auch im Kölner Kunstsalon Feldmann Werke der italienischen Futuristen kennengelernt. "Im Thema der 'Schaufenster'-Bilder ist die unmittelbare Antwort August Mackes im schöpferischen Dialog mit Delaunay gegeben." (Ursula Heiderich, in: August Macke, Gemälde Aquarelle Zeichnungen, Hrsg. E.-G. Güse, München 1986, S. 129). "Mit der hier eröffneten Reihe der 'Schaufensterbilder' schafft er eine Variante der Straßendarstellung und entwickelt nach Kenntnis von Delaunays 'Fenêtres' seine Möglichkeit, die weitgehende Auflösung der Gegenstände in ein nach dem Prinzip des Simultankontrasts geordnetes, räumliche und dynamische Qualitäten enthaltendes Flächenmosaik als Bestandteil dargestellter Realität einzusetzen." (K. Schmidt, a.a.O., S. 66). Verso handschriftlich bezeichnet "unverkäuflich" und datiert. - Provenienz: Galerie Vömel, Düsseldorf Mayer, Bad Godesberg (1940) - Ausstellung: Das Junge Rheinland, Kölnischer Kunstverein, Köln 1918 XVI. Sonderausstellung August Macke - Heinrich Nauen, Kestnergesellschaft, Hannover 1918, Kat.-Nr. 55 Graphisches Kabinett von Bergh und Comp. (Dr. Koch), Düsseldorf 1919 August Macke, Kestnergesellschaft, Hannover 1935, Kat.-Nr. 80 Paula Modersohn-Becker - August Macke, Kunsthalle, Basel 1936, Kat.-Nr. 128 August Macke Gedächtnisausstellung, Museen der Stadt Köln in der Alten Universität, Köln 1947, Kat.-Nr. 106 Macke Aquarell-Ausstellung, Städtisches Kunsthaus, Bielefeld 1957, Kat.-Nr. 142, Abb. S. 23