작품 상세

Weiße Nacht am Weißen Meer (Kandalakscha) Öl auf Leinwand. 1930. 65 x 73 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert und datiert. Still liegen ein paar schlichte Holzhäuser direkt am Meer, ihre einfachen Dächer schimmern in zarten, gedämpften Farbnuancen. Nur zwei Rentiere lagern und stehen ruhig zwischen den Steinbrocken im Vordergrund, ganz nahe bei den Häusern und den zum Trocknen aufgespannten Fischernetzen. Weißblau schimmert die Landschaft, das Wasser und der Himmel. Alles scheint in diesem bläulichen Licht miteinander zu verschmelzen. Vogeler malt hier seine Erinnerung an eine frühe Karelienreise nach Kandalakscha am nördlichsten Zipfel des weißen Meeres, direkt am Polarkreis. Die Weite und Ruhe der Landschaft wird durch das indirekte Licht der Polarnacht noch verstärkt. Stilistisch steht Vogelers Malweise hier noch der Worpsweder Landschaftsmalerei nahe, motivisch jedoch schweift er so weit wie möglich in die ersehnte Ferne: Im Jahr 1923 war er als politisch engagierter Mensch und Pazifist erstmals nach Sowjetrussland gereist, jedoch 1929 in Deutschland aus der KPD ausgeschlossen worden. Im Jahr nach dem Gemälde "Weiße Nacht", 1931, ließ er sich dort endgültig in Russland nieder. Insofern ist unser Gemälde Ausdruck einer politischen Sehnsucht des Künstlers, in dem Form und Inhalt in höchstem Maße übereinstimmen, eine schöne, überzeugende Synthese von Worpsweder Malerei und der Impression nördlicher Ferne. Vermutlich handelt es sich bei dem hier angebotenen Werk um das 1941 im Verein Russischer Künstler unter dem Titel "Weiße Nacht, Polarnacht" erwähnte Gemälde. Eine leicht veränderte Fassung des Motivs befindet sich in der Nationalgalerie Berlin, ganzseitig abgebildet in: Heinrich Vogeler, Kunsthalle am Theaterplatz, Weimar 1976, Katalog-Nr. 19; unsere Version nicht bei Noltenius.