작품 상세
* CAMPENDONK, Heinrich, 1889 1957. 23 e. Br. m. U. Amsterdam 24.IX.1951 bis 19.IX.1956. 39 S. gr.-4°. Vielfach mit gedrucktem Briefkopf Rijksakademie van Beeldende Kunsten / Prof H. Campendonk / Ams- terdam. Einige Blätter papierbedingt leicht gebräunt. Inhaltsreiche, bisher unveröffentlichte Brieffolge an den Kunsthistoriker Walter Kaesbach (1879 1961), einen der großen Förderer der deutschen Expressionisten; immer wieder über seine Arbeit am großen Glasfenster für die Nordseite des Kölner Doms (die er alle paar Monate aufzugeben gedenkt), über gemeinsame Freunde wie Katherine Dreier, Marcel Duchamp, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Christian Rohlfs und Karl Schmidt-Rottluff, über seine Tätigkeit an der Amsterdamer Akademie, seine Hoffnung auf Wiedergutmachungszahlung als NS-Verfolgter und seinen sich zusehends verschlechternden Gesundheitszustand. 24.IX.1951. Da ich nie zu den Eröffnungen ins Museum komme, werde ich bei der Eröffnung der Ausstellung der Sammlung Haubrich auch nicht zugegen sein! Vielleicht gelingt es, Haubrich in sei- nem Hotel zu sprechen. Wahrscheinlich muss ich aber im Laufe von Oktober doch nach Köln, um über den Auftrag (das Glasfenster für den Kölner Dom) zu sprechen. Im Augenblick habe ich wohl wenig Aussicht den Auftrag zu bekommen; ich habe den Eindruck, dass man soviel an meinem Entwurf will verändert haben, dass von der ursprünglichen Idee nur wenig übrig bleiben wird, wenn ich alle Wünsche befriedige, was ich unter keinen Umständen tun werde Wie schön, dass Sie viel mit Frau Röder (die deutsche Bildhauerin Emy Röder, 1890 1971) zusammen waren, eine der so wenigen Bildhauer in Deutschland, welche sich wirklich treu blieben. Ich finde die Arbeiten der R. viel besser, wie die von Marks (Gerhard Marcks) oder Scharf (Edwin Scharff) dessen Bronzetür für Winkelmann (Pfarrer der Klosterkirche Marienthal bei Wesel) mir nicht gefällt. Ich war ein paar Tage in Kevelaer, wo ich auch mit Teuwen (der Glasmaler Wilhelm Teuwen, 1908 1967, ein Schüler Campendonks) zusammentraf. Wenn man hört mit welcher Begeisterung heute über Kaesbach in Düsseldorf und Creutz in Krefeld (Max Creutz, 1876 1932, Direktor des Kunstgewerbe- museums) gesprochen wird, dann fallen einem vor Erstaunen beinahe die Schuhe aus. Die Zustände in Düsseldorf sind gar nicht zu beschreiben! Welch ein Glück, dass ich noch im letzten Moment alles deutlich sah, und den Umzug abblies 22.XI.1951. Ja ich finde es natürlich fein, dass Gladbach ein Bild von mir kaufte. Es wäre natürlich noch besser gewesen, wenn man versucht hätte das Bild, welches früher in Gladbach war, von Ober- pfarrer Geller zurückzukaufen. Mein Bild aus dem Museum Krefeld wird nun hier in Amsterdam von einem Kunsthändler für 3500 f angeboten. Auch das sehr gut geleitete Museum in Eindhoven kaufte in Deutschland ein Bild. Es sieht ein wenig so aus, als ob meine hier entstandenen Bilder wertlos sind 7.I.1952. In der letzten Zeit habe ich einige Aufträge ablehnen müssen, weil man Konzessionen von mir verlangte. Es ist wohl glücklich, dass meine Frau mich bei solchen Gelegenheiten kräftig unterstützt, obschon man so handelnd auf manches verzichten muss. Vielleicht wird durch die Entschädigung welche Deutschland an Naziopfer bezahlen will, einmal ein Aufenthalt in Ihrer Gegend möglich Sehr traurig sind wir über die Tatsache, dass unsere alte amerikanische Freundin K. Dreier so krank ist. Berichte welche ich manchmal von M. Duchamp bekomme, sind gar nicht gut! 16.II.1952. Eigentlich weiss ich selbst nicht genau wie es mit dem Domfensterauftrag steht Dr. Haubrich sowie alle Leute der Jury finden, dass ich das Fenster machen muss, und haben keinen Moment Sorge, dass nachdem ich die Vorarbeit machte, auch der Auftrag gegeben werden wird für die Ausführung Der Kunstbetrieb in Deutschland ist wenig sympathisch. Die Künstler werden wie Vieh gehetzt sich an den viel zu vielen Ausstellungen zu beteiligen 15.VIII.1953. Mit meiner Arbeit für den Dom ist es nicht so weit wie Sie denken. Endlich im Oktober soll ein grosses Probestück ausgeführt werden. Die Aufgabe ist unvorstellbar gross und schwierig und hat mich beinahe schon zuviel Kraft gekostet. In der nächsten Woche werde ich für 2 oder 3 Tage nach Essen fahren um bei dem Einsetzen der restlichen Fenster zugegen sein zu können 24.X.1953. Erst jetzt beginnt man hier einigen Begriff für die Leute der Brücke, in Hauptsache für Kirchner, zu bekommen. Sandberg vom Museum (Willem S., Direktor des Stedelijk Museum) sucht einen Kirchner von 1912; scheint aber keinen finden zu können. Ich dachte an den grossen Kirchner, den vor vielen Jahren Multhaupt Ihrer Sammlung in Gladbach schenkte. Wo mag dieses Bild wohl geblieben sein? 8.II.1954. Der 91 jährige van de Velde war kurz in Otterloo um den nach seinen Entwürfen aus- geführten Anbau am Kröller-Müller-Museum zu sehen. Scheinbar hat es einen Krach gegeben, weil man ohne Genehmigung von v.d.V. Veränderungen vorgenommen hatte. Ich nehme an, dass niemand erwartet hatte, dass der alte Teufel noch reisen würde 23.II.1956. Die Arbeiten von Helbig, Lüthy, u.s.w. sind mir noch in guter Erinnerung seit der gra- phischen Ausstellung vom Blauen Reiter in 1913 bei Goltz in München. Der Vielgerühmte ist wenig angenehm mit seinem grossen Maul! 16.III.1956. Ja, ich würde wohl gerne in der Schweiz leben. Der Fiskus hat mir inzwischen mehr wie die Hälfte meiner Wiedergutmachung weggenommen, weil immer noch die doppelte Steuer besteht Heckel den ich so gerne auch wieder sehen würde, hat mir Auskünfte geschickt über den Buchheim Verlag
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