작품 상세

GEORG TAPPERT (1880 Berlin - 1957 ebenda) Traum (Liegender Mädchenakt), 1911 Hinterglasmalerei im Original-Biedermeierrahmen. 30,5 x 46,5 cm. Vermutlich werkbedingter Ausbruch am unteren linken Glasrand von ca. 1,0 x 2,3 cm, sowie vereinzelte Fehlstellen im Bild. Provenienz: Galerie Nierendorf Georg Tappert war ein deutscher Maler und Grafiker des Expressionismus. Er studierte in Karlsruhe und Berlin und war Mitbegründer der „Neuen Secession“ in Berlin, die sich als Plattform für die avantgardistische Kunst der Zeit verstand. Tappert schuf expressive Figurenbilder, Akte, Porträts und Landschaften, geprägt von kräftiger Farbigkeit und markanter Linienführung. Während der NS-Zeit wurden zahlreiche seiner Werke als „entartet“ diffamiert und beschlagnahmt. Nach 1945 wirkte er erneut als Professor in Berlin und gilt heute als wichtige, eigenständige Position innerhalb des deutschen Expressionismus. In Datierung, Technik und künstlerischer Konsequenz dokumentiert dieses Werk einen Höhepunkt in Tapperts expressionistischer Phase. Seine formale Radikalität, seine Seltenheit innerhalb des Gesamtwerks und seine eindringliche Bildwirkung machen es zu einer Arbeit von herausragender kunsthistorischer Bedeutung. Georg Tapperts „Traum (Liegender Mädchenakt)“ von 1911 gehört zu jenen Arbeiten, in denen sich der frühe deutsche Expressionismus in besonderer Klarheit verdichtet. Das Werk zeigt eine lang ausgestreckte weibliche Figur auf einem intensiv roten Tuch - ein Motiv von großer formaler Kühnheit und unmittelbarer Präsenz. Der Körper ist nicht naturalistisch modelliert, sondern durch markante schwarze Konturen rhythmisch gefasst. Tappert reduziert die Anatomie auf flächige, spannungsreiche Formen. Das Inkarnat steht in starkem Kontrast zum leuchtenden Rot und zum tiefen Grün des Hintergrundes; darüber spannt sich ein gelb getönter Himmel, durchzogen von einer blauen, vogelartigen Silhouette. Die Farbflächen wirken bewusst gesetzt, nahezu ornamental - der Raum wird nicht illusionistisch vertieft, sondern als Bildfläche behauptet. Gerade diese radikale Flächigkeit verweist auf die künstlerischen Umbrüche um 1910. Tappert löst sich hier deutlich von akademischen Traditionen und formuliert eine eigenständige, moderne Bildsprache. Die expressive Vereinfachung des Körpers, die Spannung zwischen Sinnlichkeit und Abstraktion sowie die intensive Farbdramaturgie verorten das Werk in der entscheidenden Phase seines frühen Schaffens. Hinzu kommt die Technik: Die Hinterglasmalerei ist im Œuvre Tapperts selten vertreten. Die glatte Oberfläche verstärkt die Leuchtkraft der Farben und verleiht der Komposition eine besondere Unmittelbarkeit. In Verbindung mit dem originalen Biedermeierrahmen entsteht ein geschlossenes historisches Ensemble von außergewöhnlicher Qualität.