작품 상세
"Insel, 21.870 cm²" Öl und Lack auf Leinwand. 1964. 162,5 x 129,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Rot signiert und datiert, verso auf einem Etikett bezeichnet und betitelt. 2002 wurde in der Galerie des Prager Rudolfinums in einer umfassenden Werk-Ausstellung erstmals Medeks gesamte Schaffensbreite, einschließlich der frühen Bilder, gezeigt. Das Werk von Mikuláš Medek schien bis zu dieser Ausstellung lange Jahre in Vergessenheit geraten zu sein; heute jedoch gilt er als einer der bedeutensten Vertreter der tschechischen Avantgarde der Nachkriegszeit. Im sozialistischen Kunstverständnis hatte er nicht nur keinen Platz, sondern wurde vom Regime für seine Kunst regelrecht verfolgt. Aus politischen Gründen wurde er 1949 zum Abbruch seines Studiums an der Hochschule für angewandte Kunst in Prag gezwungen. Daraufhin schloss er sich einer Gruppe von Künstlern an, die in den 1950er bis 1970er Jahren außerhalb des offiziellen Kunstbetriebes standen und der u. a. auch der Schriftsteller Bohumil Hrabal sowie der ehemalige Staatspräsident Václav Havel angehörten. Medek wählte den Weg der inneren Emigration und arbeitete isoliert in seiner Wohnung, die ihm gleichzeitig als Atelier diente. Dennoch wurde er nach und nach, fast wider Willen, zum Anziehungspunkt der gesamten intellektuellen Aktivität, die dem außergewöhnlichen Aufschwung der 1960er Jahre vorausging. Er schuf um sich einen Raum, der nur durch die Tatsache seiner Anwesenheit zu einem Herd wurde, in dem die verstreuten Strahlen sich verdichteten oder von dem sie sich verbreiteten als ein konzentriertes, durchdringendes und unerbittliches Licht. Sein Einfluss auf die junge tschechische Malerei war in dieser Zeit enorm, und sein Werk stieß besonders im Ausland auf großen Widerhall und Anerkennung; in Prag jedoch, wo er bis zu seinem frühen Tod 1974 lebte, hatte er erst 1965 seine erste Einzelausstellung. Medek, vom Surrealismus kommend, distanzierte sich Anfang der 1950er Jahre zunehmend von dieser Kunstrichtung und fand zu seinem eigenen unverkennbaren Stil. Die Formen und Figuren vereinen sich zu Konfigurationen von großer Beschwörungskraft, und ihre schimmernde Oberfläche lässt oft einen grenzenlosen schwarzen Grund durchblicken. Es werden mechanische, maschinenhafte, architektonische Elemente eingeführt, und durch ihre im klassischen Helldunkel ausgeführte Modellierung sprengen sie den Aufbau der Bildkomposition, hinzu kommen Titel mit einer gewissen Portion Ironie. Es ist seine wichtigste Schaffensphase, und die Arbeiten sind metaphysische Transformationen von Schmerz, zugleich leidenschaftlich und still, schlussendlich aber ein gegenüberstellender Dialog zwischen innerem und transdimensionalem Raum. "Offensichtlicher schwarzer Humor dieser Bilder verschafft dem Künstler in seiner Haltung zusätzlich seine stolze Unabhängigkeit von dem, was sich um ihn herum abspielt. Ob man ihn zum Gipfel des Ruhms emporhebt, ob man ihn wieder zum Schweigen verdammt: die Wandlungen des Schicksals können ihn nicht mehr berühren. Er setzt sich darüber mit gleicher Unbefangenheit hinweg. Seit langem krank malt er weiter." (Text aus dem Lebenslauf in: Hommage à Mikuláš Medek, Paris - Tökendorf - Wien, 1976). "Die Verwirklichung eines Bildes vollzieht sich in der blinden Anordnung intellektueller und sensibler Systeme in dem Vakuum einer verschlossenen Kugel, die so durchsichtig wie von Röntgenstrahlen durchdrungener Stahl ist. Es ist das Schwarze, (die Finsternis), das von Infrarotstrahlen erleuchtet, heller als der Mittag des 15. Mai während eines Sturmes auf Sizilien ist. Diese schwarze Stille ist gleich vierhundertvierzig Quadratzentimetern der Ratlosigkeit und Sensibilität des zweiten Gliedes des Mittelfingers der linken Hand; diese berührt eine mit einer Spinne gefüllte Zündholzschachtel und schiebt sie über einen dunkelbraunen Tisch zu einem Lichtstreifen, in dem die unter den Nägeln der rechten Hand gefangene Angst erbebt. Und es ist die schwarze Höhle, die Höhle der Fläche, und die Fläche der Höhle, die im rechten oberen Winkel die Aufmerksamkeit erhöht, um auf sich selbst gerichtet, im Kern der umliegenden Materie konzentrische Kreise der Unruhe hervorzurufen. Die verschlungenen Bahnen der Hände über einer Fläche von 21.870 cm² münden in einem Gewirr aus falschen Banden, Fehlern und Katastrophen. Die Fingerspitzen werden niemals imstande sein, dieses Geflecht zu entwirren, um seine Unzulänglichkeit und sein Debakel ungeschehen zu machen. Die Niederlage wird zu einem großen Schritt, und die schwarze Farbe der suggestiven Leere wird den genauen Umriss skizzieren und die Fläche aller Fehler und Katastrophen, die sich vor dem Hintergrund der Nacht abzeichnen, in ihrer Bedeutung erfassen." (Text von Mikuláš Medek, 1963, in: Hommage à Mikuláš Medek, Paris - Tökendorf - Wien, 1976). - Provenienz: 1968 beim Künstler erworben, seitdem Sammlung Prof. Iring Fetscher
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