작품 상세

Nature morte aux faisans Öl auf Leinwand. 1881. 53 x 98 cm. Oben links mit Pinsel in Schwarz signiert "Theo van Rysselberghe" und datiert. Zentral im Bild steht das Vergängliche: Zwei tote Fasane, braun und weiß, liegen auf dem Rücken, die Beine malerisch-makaber im gleichen Winkel in die Luft gestreckt. Dazu malt Rysselberghe mit lockerem, großzügigem Duktus Äpfel, Birnen oder Quitten und Trauben. Rechts rahmen bräunlich schimmernde Keramikgefäße, ein Bierkrug und ein großer Topf, die beiden Vögel und das Obst ein, während auf der linken Seite ein Zinnteller und ein Weinpokal mit glänzendem Silberlöffel darin den Abschluß bildet. Es ist nicht nur eine malerisch überzeugende, spannungsreiche Kombination von Dauerhaftem und Vergänglichem, sondern auch ein Bild von kulinarischer Üppigkeit. "In der Malerei erfährt das Stillleben zu dieser Zeit gerade eine Renaissance. Im 18. Jahrhundert war das Genre bedeutungslos geworden, galt lange als verpönt. Vor dem Hintergrund des Stadtlebens mit seinen üppigen Schaufensterauslagen gewinnen die Motive des Stilllebens allerdings eine neue Bedeutung und werden damit auch für die Impressionisten attraktiv. Sie sind Ausdruck eines neuen Konsumverhaltens" (Sabine Weier, SchirnMag 19.12.12). Rysselberghe studierte gemeinsam mit dem zwei Jahren älteren James Ensor an der Akademie von Brüssel, u. a. bei Jean-François Portaels. Seine ersten Werke,1881 auf dem Brüsseler Salon ausgestellt, zeigen deutliche Einflüsse von Manet und Degas und spiegeln mit ihrem großzügigen Duktus und den nüchternen, dunklen Farben zugleich die belgische realistische Tradition. In Haarlem setzte der junge Künstler sich zudem intensiv mit Frans Hals auseinander und zeigt in der Folge eine deutlich von ihm beeinflusste Tonalität. Das hier angebotene Gemälde ist stilistisch wie auch motivisch ein typisches Werk des frühen Rysselberghe. 1883 gehörte der Künstler zu den Gründungsmitgliedern der Société des Vingt, um den künstlerischen Austausch zwischen Frankreich und Belgien zu fördern. Auf einer Reise nach Paris lernte er Georges Seurat kennen und begann in der Folge, pointillistisch zu malen. Van Rysselberghe widmete sich auch der angewandten Kunst, oft in Zusammenarbeit mit Henry van de Velde: Er gestaltete Möbel, Plakate, Kataloge für die Gruppe "La Libre Esthétique" und illustrierte Bücher, u. a. von Emile Verhaeren. Verso mit Ausstellungs- bzw. Transportetikett, dort betitelt und mit dem Besitzvermerk "Mme. van Rysselberghe, ave. Jean V. Ruysw(...), Anvers".