작품 상세

WOLFGANG MATTHEUER (1927 Reichenbach (Vogtland) - 2004 Leipzig) Sisyphos im Rad, 1975 Bronze, Stahlring auf Granitsockel, 67,5 cm, Sockel 30,5 cm, Exemplar 6/7. WVZ: S 14 Provenienz: Privatbesitz Brandenburg Wolfgang Mattheuer ist neben Werner Tübke und Bernhard Heisig Hauptvertreter der Leipziger Schule. Er absolvierte zunächst eine Lehre zum Lithographen bei der Firma Carl Werner in Reichenbach. Von 1946-47 studierte er an der Kunstgewerbeschule Leipzig und setzte 1947-51 sein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) bei Walter Arnold, Egon Pruggmayer sowie Elisabeth Voigt fort. Ab 1952 nahm er seine Lehrtätigkeit an der HGB auf und führte sie 1965-74 als Professor weiter. Im Jahr 1956 wurde er Mitglied des VBK der DDR und 1978 Mitglied der Akademie der Künste der DDR. Bereits ab 1958 war er regelmäßig auf zahlreichen Kunstausstellungen im In- und Ausland vertreten und heute sind viele seiner Werke Bestandteil von Museumssammlungen weltweit. Mattheuer verstarb 2004 an seinem 77. Geburtstag in Leipzig. In seinem Werk greift Mattheuer wiederholt mythologische Motivstoffe auf. Indem er sie kombiniert und in einen neuen Kontext setzt, entwickelt er sie weiter und kommentiert in ihnen das Zeitgeschehen seiner eigenen Epoche. Auch Sisyphos wird bei Mattheuer zur Symbolgestalt für zeitgenössische Konflikte. Sisyphos, der in der griechischen Mythologie in der Unterwelt zur Strafe auf ewig einen Stein den Berg hoch rollen muss, welcher kurz vor dem Gipfel jedes Mal wieder ins Tal rollt, wird von Mattheuer in ein Laufrad versetzt. Wie das mythologische Vorbild rennt diese zeitgenössische Version gegen etwas an, ohne jemals voranzukommen. Das Sinnbild sinnloser Mühen ist darin manifestiert. In der DDR erfährt Sisyphos bei Schriftstellerinnen und Schriftstellern sowie in der bildenden Kunst eine Wiederbelebung als Metapher für den Arbeiter und für gesellschaftliche Probleme mit der Aufforderung, diese zu benennen und die Situation zu verändern. Diese Entwicklung vollzieht sich ab 1972 mit Mattheuer als Vorreiter. 1975 sagte er „Mich interessiert an vielen Mythen und Historien, welche Bedeutung sie noch für uns haben, wie sie uns noch helfen können als Träger von durchaus noch nicht gelösten Problemen und Konflikten [...] als Träger von Bildideen" (Real existierender Sisyphos in: Arlt, Peter: Die Flucht des Sisyphos. Griechischer Mythos und Kunst. Eine europäische Bildtradition, ihre Aktualität in der DDR und heute, Gotha 2008, S. 84). Während die mythologische Parabel in Grafiken Mattheuers umgedeutet wird und Sisyphos die Oberhand zu gewinnen scheint (so zum Beispiel in „Die Flucht des Sisyphos", 1974, und „Sisyphos behaut den Stein", 1972), ist die Figur im Rad der Situation scheinbar hilflos ausgeliefert. „Das Unentrinnbare der Situation wird hier durch die absolute Lösung von jeglichem Ambiente und die Vereinzelung des Umgetriebenen besonders beklemmend. Doch dieser Sisyphos ist nicht die verlorene Gestalt der antiken Sage, in ihm wird Auflehnung gegen das sinnlose Geschick bereits wach. Mattheuer findet sich niemals mit Gegebenheiten ab. Seine Kunst gestaltet nicht starre Verhaltensmuster, sie will Reaktionsweisen, Lösungswege Progressionen - befreiendes, auflösendes Weiterschreiten Erforschen und dem Betrachter anbieten." (Schönemann, Heinz: Wolfgang Mattheuer, Leipzig 1988, S. 85).