작품 상세

E. Musikmanuskript mit Beglaubigung, Signatur und Dat. von J. Panny: Wien, 13. 7. 1828. Qu.-4° (24,4 x 33,5 cm). 2 Seiten. (178) Ein Blatt mit der ersten Variation als Anhang oder Abschluss der Tondichtung "La Tempestà" ("Der Seesturm") für Violine und Orchester von Joseph Panny, hinzu komponiert von NicolĽ Paganini und von dessen eigener Hand, wie am Ende durch Panny bezeugt: "Paganini's Handschrift, Wien, den 13. Juli (1)828". Das Werk wurde im 14. und letzten von Paganinis Konzerten in Wien am 24.07. 1828 im großen Redoutensaal aufgeführt. Dieses Notenblatt hat einen erstaunlichem geschichtlichen Hintergrund - hätte sich das Werk eigentlich mit dem Schaffen eines weitaus Größeren als dem des Wiener Komponisten und Geigers Joseph Panny (1794-1838) verbinden sollen: Ludwig van Beethoven. Der aber war schon 1827 gestorben, über ein Jahr bevor Paganini erstmals nach Wien kam. Paganini wusste das noch nicht, und Panny musste dann als Ersatz für den Großmeister herhalten. "Daß ... Paganini die Werke Beethovens nicht fremd waren und daß er schon damals eine sehr klare Vorstellung von der Bedeutung des deutschen Meisters hatte, bestätigt seine authentische Äußerung zu Schottky: 'Ich hatte mir vorgenommen, gleich nach meiner Ankunft in Wien diesen Heros zu ersuchen, einige Stücke für mich zu componiren, unter andern einen Sturm. Sein allzufrüher Tod vereitelte jedoch den schönen Plan, - und so kam der Panny'sche Sturm zu Stande.' Die Musikgeschichte hat zu bedauern, daß diese einzigartige Begegnung nicht stattfand! Wer kann heute ahnen, wie Paganinis Bitte aufgenommen worden wäre? Die Zusammenarbeit mit Panny war durchaus unglücklich. Die 'große dramatische Sonate Der Seesturm nach der Idee des Niccolo Paganini' für die G-Saite, bestehend in acht charakteristischen Nummern, wurde zum ersten Male im letzten Konzert Paganinis in Wien am 24. Juli 1828 aufgeführt. Die Kritik lehnte sie einstimmig ab, auch einige Monate später in Prag hat die Komposition keinen Beifall gefunden, das Publikum nahm einzelne Partien, besonders den komischen Turmfall, sogar mit Lachen auf. Paganini stieß dann das Werk aus seinem Repertoire aus" (Z. Vyborny, Paganini und Beethoven, in: Die Musikforschung 13. Jg., H. 3, 1960, S. 325-328, hier S. 326). - Überhaupt waren es nur die angehängten Variationen, die das Werk mit dem Publikum halbwegs versöhnen konnten. Diese hatte Paganini für sich hinzukomponiert und konnte dadurch seine Virtuosität doch noch zur Schau stellen. Das Pannysche Konzert aber, das der Rezensent der Allgemeinen Musikalischen Zeitung ein "Possenspiel für die Mariottenbühne" nannte, mit seinem "widrig afficirenden Gebrauch der sieben Wind- und Donner-Maschinen", führte dazu, "dass der Concertist selbst unverzeihlich in den Schatten gestellt ist, und seine Virtuosität unter dem Gepolter der Instrumental-Massen nicht einmal geltend machen kann..." Kein Beifall ertönte, das Publikum war in "dumpfe Lethargie versunken". "Erst mit den paar von dem Meister selbst componirten Schluss-Variationen, worin er sich fesselfrei fühlte, trat mildes Thauwetter ein, und lauter Jubel überströmte ihn, wenn gleich diese paar Momente kaum hinreichten, für die ausgestandene Langeweile eine Entschädigung zu gewähren" (Allgemeine Musikalische Zeitung, 41, Leipzig, 8. 10. 1828, S. 687). Soweit der Hintergrund. Was unser Notenblatt offenbart, ist darüber hinaus die unglaubliche Spontaneität, mit der Paganini zu diesem für ihn inadäquaten Konzert die rettenden Variationen anhängte. Das zeigt die auf das Notwendigste reduzierte Notation, die geradezu die Eile bildlich zum Ausdruck bringt, und wahrscheinlich während der Proben entstanden ist. Das Blatt ist überschrieben "Var. 1ma", mit jeweils vierzeiligem Particell in je drei Systemen übereinander. Die Violinstimme selbst ist ausgelassen, bis auf jene Stellen, an denen sie sich mit dem Orchester zum Tutti vereint. Zur Orientierung ist dazwischen nur die Bass-Stimme notiert, einmal auch ein "Violoncello solo", zweimal ist "ritardando" vorgesehen. Die Figurationen in Triolen der Solovioline hat Paganini entweder spontan improvisiert oder aus dem Gedächtnis gespielt, jedenfalls nicht notiert. Da die Solostimme in der Scordatura vorgesehen ist, wird sie ohnehin in einer anderen Tonart notiert (hier C-Dur statt E-Dur). Die erste Variation umfasst in der heute bekannten Fassung 32 Takte, in unserer aber mit 64 doppelt so viele. Das Manuskript ist damit als Skizze zu identifizieren, was auch vier angesetzte, über die in Schablone vorgezogenen Notenlinien hinausgehende Takte erweisen. - Wir haben hier ein höchst seltenes Beispiel authentischer Kompositionsskizzen von der Hand Paganinis vorliegen, das einen unmittelbaren Einblick in seinen Schaffensprozess während seiner Konzerttourneen offenbart, anhand eines Werks, dessen Zustandekommen an sich schon eine musikhistorische Kuriosität erster Güte darstellt.