작품 상세

IFFLAND, August Wilhelm, 1759-1814. 3 eigenhändige Briefe mit Unterschrift. Berlin 13.III.1811, 24.III.1811 und 30.VI.1812. 6 S. 4°. 1 Brief mit Siegel und Adresse, 1 Brief mit Adresse (Ausschnitt an Siegelstelle). Von fremder Hand nummeriert „1“ bis „3“. Leicht gebräunt. Als Direktor des Königlichen Nationaltheaters zu Berlin an den Weimarischen Hofschauspieler Pius Alexander Wolff, Johann Wolfgang von Goethes bedeutendsten Schauspielschüler, über Rollenverteilungen und Honorarvereinbarungen für ihn und seine Ehefrau, die Schauspielerin Amalie Wolff-Malcolmi, sowie über Wolffs Schauspiel „Preciosa“. 13.III.1811. „Nach den hier vorlängst bestehenden Verfaßung, können zwey Gastrollen nicht auf Einen Abend fallen. Setzen wir also vor der Hand für Sie und Ihre Frau, für Jede Person Vier Gastrollen, für beide also acht Gastrollen an, für jede Rolle Fünfzig Thaler Courant, zusammen Vierhundert Thaler Courant, und überhaupt Fünfundzwanzig Thaler Wohnungs Geld. Sie wählen aus denen hier beigelegten Stücken, was Sie wollen, Taßo ist noch nicht einstudirt. – Hamlet wird ganz nach der Schröderschen Ausgabe, im Hamburger Theater, hier gegeben … Für Madam Wolf zur Auswahl / Phädra / Maria Stuart. Wenn Hr. Wolf nicht darin spielt Iphigenie, Orleans, Egmont, Emilia Galotti, der Fremde …“ 30.VI.1812. Iffland sendet ihm dessen Stück „Preciosa“ ablehnend zurück; er verweist auf die aktuellen Brandstiftungen der Bande um Friederike Luise Delitz. „... Zuvor – muß ich mit Freimüthigkeit erklären daß … die Zigeuner nicht eine lose, halb geniale Herde, die ihrer Schwänke lachend Erwähnung thun …, sondern daß es eine wirkliche Räuberbande ist, die Gräuel erzählt und uns deutlich vor diese hinführt – daß Präziosa ihren Geliebten zum wirklichen Gauner eingeweihet haben will und es erreicht, machte mich gleich anfänglich stutzen … Die Mordbrennerbande, welche seit drei Jahren, bis dicht vor die Stadt gebrannt und geraubt, ja in einer Woche zwei Dörfer nahe vor Berlin angezündet hat, sizt 130 Personen stark, hier auf der Hausvogtei. – Der Prozeß dieser Menschen, welche … sehr verschmizte karakteristische Menschen sind, intereßirt aus mehreren Gründen, je nach Verschiedenheit der Menschen, mehr oder minder, doch allgemein. Besonders aber intereßirt die Hauptzünderin, die schöne Louise, ein Mädgen die aus Kinderfett Brandlichter machte und kalten Blutes alles anlegte … Es giebt Menschen die ihre verbrecherische Naivität – oder wie ich es sonst nennen soll – frappirt. Andere werden von ihrer Schönheit angezogen, alle beschäftigt sie; Viele verlangen für sie das Urfeuer. Andere ihre Freisprechung wegen ganz mangelnder Bildung …“ – Delitz und ihr Komplize Johann Peter Horst, die in Brandenburg 45 Brände mit 30 Toten verursacht hatten, wurden zur Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen verurteilt; sie waren die letzten Personen in Deutschland, die durch Verbrennung hingerichtet wurden. Die Erstaufführung von „Preciosa“ hatte im Mai 1812 in Leipzig stattgefunden; eine 2. Fassung, für die Carl Maria von Weber seine umfangreichste Schauspielmusik komponierte, gelangte 1821 in Berlin zur Erstaufführung. Wolff war nach seinem Engagement in Weimar von 1816 bis zu seinem Tod an den Königlichen Schauspielen in Berlin als Schauspieler und Regisseur engagiert und galt als einer der prägendsten Künstler des Ensembles.